Vom individuellen zum universellen Bewusstsein
Reflektieren und Leeren klären den Geist.
Grenzen loslassen weitet ihn.
Gedanken und Gefühle, um die niemand gebeten hat, füllen nach und nach das Gefäß deines Geistes. Und der Gedanke „So groß bin ich eben" hält dieses Gefäß klein.
Zwei Richtungen
Unsere Meditation geht in zwei Richtungen: das volle Gefäß leeren – und das Gefäß weiten. Angefangen wird immer mit dem Leeren. Wer zurückschaut und loslässt, wird klarer; und wer das lange genug tut, lässt irgendwann auch die Grenzen los, die das Gefäß klein gehalten haben.
Leeren macht klar
Im Leben sammelt sich an, worum niemand gebeten hat: alte Fehler, Vergleiche mit anderen, Gekränktes, Sorgen. Schaust du das Stück für Stück an und lässt es los, setzt sich das Trübe – wie in einem Glas, das lange genug ruhig steht.
Grenzen loslassen macht weit
Die Wand des Gefäßes ist selbst ein Gedanke: „So viel passt bei mir rein", „So bin ich eben". Lässt du diesen Gedanken los, weicht die Wand zurück – vom individuellen zum universellen Bewusstsein.
Derselbe Stress, ein anderes Gefäß
Eine Frist, ein Satz von jemandem, verschlafen. Wie viel an einem Tag hereinkommt, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch kaum. Der Unterschied liegt im Gefäß, das es auffängt.
Dass es eng zugeht, hat einen Grund: Das Gefäß ist längst besetzt. In ein volles genügt eine Kleinigkeit, und es läuft über. In ein geleertes, weites kommt dasselbe hinein – und der Pegel steigt ein wenig.
Was beim Meditieren geschieht
„Universelles Bewusstsein" klingt groß. Der Weg dorthin ist sehr konkret: ansehen, was sich angesammelt hat, und weglassen, was nicht gebraucht wird. Je leerer, desto klarer – und wer auch die selbst gezogenen Grenzen loslässt, bei dem kommt die ursprüngliche Weite zum Vorschein.
Voll
Gedanken und Gefühle stehen dicht an dicht. Schon eine Kleinigkeit nimmt die Luft.
Ansehen
Stück für Stück anschauen, was da liegt. „Ach, das war also hier."
Loslassen
Weg damit – und mit den Gedanken und Gefühlen auch der Satz „So viel bin ich".
Zum Vorschein
Der Geist ist klar, der Rand ist zurückgewichen. Was bleibt, ist die Weite, die immer da war.
Der Kreis wird nicht größer, weil etwas hinzukommt. Sein Rand war ein Gedanke – „bis hierher und nicht weiter". Fällt der Gedanke weg, zeigt sich, wie groß er immer schon war.
Wie das wahre Potenzial zum Vorschein kommt
Das Gefäß ist nicht von Natur aus klein. Klein hält es der Gedanke „So viel passt bei mir rein", „Das ist meine Grenze". Kaum jemand hat sich diesen Gedanken ausgesucht. Er ist entstanden – beim Scheitern, beim Verglichenwerden, beim Verletztwerden.
Das wahre Potenzial wird also nicht mit Mühe hergestellt. Lässt du die Gedanken los, die dich begrenzen, zeigt sich von selbst, was von Anfang an da war.
Das Klarwerden geschieht mit. Unter allem Angesammelten ist schwer zu sehen, was zählt und was jetzt dran ist. Zurückschauen und leeren – und es liegt klar vor dir, wie Wasser, in dem sich der Sand gesetzt hat. Auch die Kraft, die das Tragen gekostet hat, steht wieder für Arbeit, Lernen und Menschen zur Verfügung.
Was ein weiteres Gefäß im Alltag ausmacht
Nicht die vage Rede von innerer Ruhe, sondern Unterschiede, die du im Alltag merkst.
Weniger aus der Bahn
Kommt etwas Unerwartetes, kippt nicht gleich alles. Es ist Platz da, der es auffängt.
Dasselbe Pensum, mehr Ruhe
Zu tun ist genauso viel, aber ohne das Gefühl, gejagt zu werden. Auch das Aufschieben wird weniger.
Nichts bleibt liegen
Schweres hängt nicht wochenlang nach. Wer zurückschauen und loslassen kann, trägt es nicht wieder an.
Vom Vornehmen zum Tun
Fällt das „Ich kann das nicht" weg, fängst du einfach an. Und die Kraft, die das Tragen gebunden hat, bringt dich bis zum Ende.
Klarer Blick
Legen sich die angesammelten Gefühle, siehst du die Sache, wie sie ist. Andere Wege werden sichtbar, und das Grübeln wird seltener.
Offen für andere
Ist in dir Platz, passt auch die Sicht des anderen hinein. Beziehungen werden leichter.
Derselbe Tag, zwei Gefäße
Gehen wir einen vollen Tag zweimal durch. Was passiert, ist beide Male dasselbe.
| Uhrzeit | Mit vollem Gefäß | Mit geleertem, weitem Gefäß |
|---|---|---|
| 07:40 | Verschlafen. „Der Tag ist gelaufen." Schon am Morgen sinkt die Stimmung. | Verschlafen. „Zwanzig Minuten." Der Plan rückt zusammen, und los. |
| 10:00 | Der Termin wird verschoben. Der Ärger bleibt, und die Arbeit liegt. | Der Termin wird verschoben. Unangenehm – notiert, und zurück an die Arbeit. |
| 14:00 | Ein Versprecher vor wichtigen Leuten. Die Szene läuft weiter und macht klein. | Ein Versprecher vor wichtigen Leuten. Einmal durchatmen und weitersprechen. |
| 21:00 | Vor der aufgeschobenen Sache sitzt du müde am Handy. Bis tief in die Nacht. | Die aufgeschobene Sache wird klein geschnitten und Stück für Stück erledigt. |
| 23:00 | Ärger und Scham gehen mit ins Bett. Morgen ist das Gefäß noch voller. | Was sich angesammelt hat, wird angesehen und losgelassen. Morgen beginnt leer. |
| Die Arbeit ist getan – den ganzen Tag unter einer Last. | Dieselbe Arbeit getan, und es ist Kraft übrig. |
Zehn Minuten, die heute gehen
Ein Gefäß weitet sich nicht auf einmal. Wer täglich ein wenig zurückschaut und loslässt, merkt irgendwann: klarer ist es geworden, und weiter auch.
- 3Min
Beim Atem bleiben
Bequem sitzen, Augen zu, und beim Ein und Aus bleiben. Der Moment, in dem das Rennen kurz anhält.
- 3Min
Ansehen, was da ist
Zurückschauen, was sich angesammelt hat. Was heute war, welche Szene wiederkommt, was dabei zu spüren war.
- 3Min
Loslassen
Von dem Angesehenen weglassen, was du nicht willst und nicht mehr brauchst. Taucht ein „So viel bin ich eben" auf, lass es mit los.
- 1Min
Nachspüren
Was ist anders als vorhin, vor dem Meditieren?
Zurückschauen und leeren macht klar, Grenzen loslassen macht weit. Dieses klare, weite Gefäß – das bist du, wie du ursprünglich bist.
Einmal selbst ausprobieren
In der Probemeditation zeigen wir dir in Ruhe und eins zu eins, wie das Zurückschauen und Loslassen praktisch geht.
Probemeditation